Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg

Fassadengestaltung des neuen Bühnenturms - 1.Preis

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Idee / Städtebauliche Einbindung / Baukörper

Ziel ist es, den Baukörper in Masstab, Farbe und Materialität in die Umgebung einzufügen und ihn zu „verkleinern“.
Der Übergang zwischen Bauwerk und Himmel soll fliessend sein. Die Kanten sind durchscheinend, so dass das Gebäude entmaterialisiert wird. Das Theater wird ephemer, kurzlebig und vergänglich. Das Theater lebt nur einen Tag, bleibt auf einen Tag beschränkt.
Die derzeitige Planung des Bühnenturmes wird kritisch hinterfragt. Insbesondere die äußere Anmutung der Rückwand ist überarbeitungswürdig. Dennoch wurde ein Konzept entwickelt, welches auf die Gegebenheiten eingeht, sich mit ihnen „arrangiert“ und darüber hinaus Verbesserungen ermöglicht.
Der Bühnenturm mitsamt seiner Treppenhäuser, die aus der historischen Struktur weiterentwickelt sind, wird durch die neue Haut „umwickelt“.
Die vorhandenen Eckpunkte werden akzeptiert und auf dem kürzesten Weg miteinander verbunden.
So entsteht im Grundriss eine neue Outline des Turmes, die aus der Assymmetrie der beiden Treppenhäuser
Qualitäten gewinnt. Ein neuer, zeitgenössischer Baukörper wird generiert.
Die stoffartige Haut weckt Assoziationen zum Vorhang, zum Segel, zur Wolke.
Der Baukörper erscheint wie in Aristophanes Komödie „Die Vögel“ als Wolkenkuckucksheim. Er bezeichnet die Stadt in den Wolken, ein Zwischenreich, ein Luftschloss – als eine „Utopie ohne Bodenhaftung“.
Der Entwurf lebt von den Kontrasten zwischen alt + neu, hart + weich und dunkel (im Turminnern) + hell (der Turm von außen). Der Bau gehört zum „weissen“ Hamburg. Er soll leicht und spielerisch wirken. 

Belichtungskonzept

Bei Tage:
Die beiden seitlichen Fassaden des Bühnenturmes erhalten – wie vorgesehen – große Öffnungen, um einen möglichst hohen Anteil an natürlichem Tageslicht in das Gebäude zu bekommen. Dies verbessert die Arbeitsathmosphäre und führt zu mehr Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Öffnungen können wesentlich grösser ausgebildet werden, als bisher geplant, so dass auch auf die Bühne selbst natürliches Licht fallen kann. Die Fensterflächen sind mit Dreifachverglasung ausgestattet und erhalten eine innen liegende Verdunklung. In diesen Flächen können - falls erforderlich – Öffnungselemente zur natürlichen Be-und Entlüftung und ggf. zur Entrauchung untergebracht werden. Durch das „Überwerfen“ einer von den Öffnungen unabhängigen Hülle ist die Größe und die Lage der Öffnungen frei wählbar – auch auf den Seiten des Turmes und der Treppenhäuser sind Fenster denkbar. Die äußere Hülle überdeckt die Fenster mit einer lichtdurchlässigen Haut und ist somit selbstständig. Die Öffnung auf der Südseite kann – zusätzlich zur Hülle – zwischen äußerer Haut und der Verglasung einen individuell regulierbaren Sonnenschutz bzw. ein Lichtlenkungssytem aus Lamellen erhalten, die sich im Zwischenraum der beiden Hüllen befinden.
Bei Nacht:
Durch den konstruktiven Abstand zwischen „harter“ Fassade und „weicher“ Haut, besteht die Möglichkeit eines Belichtungskonzeptes, welches den Körper von innen zum Leuchten bringt. Dieses „Leuchten“ könnte Teil der jeweiligen Theaterinszenierung sein. Das Belichtungskonzept könnte aber auch invertiert werden.
Der Baukörper kann natürlich auch von außen „angestrahlt“ werden. Die reflektierende Membran
bietet hervorragende Vorraussetzungen für Lichtspiele und Projektionen, die auch nur temporär sein können, z.B. zu Vorstellungsbeginn.
Bei Dämmerung:
Beim Verzicht auf technische Illuminationen, sollen in der Dämmerung und bei „Schmuddelwetter“ die Fensteröffnungen durch die Haut schimmern, um einen Eindruck von Arbeit im Turm nach außen zu transportieren. 

Konstruktion / Material

Um den Bühnenturm werden in unterschiedlichen Abständen horizontale Gurte (z.B. aus Stahl/Aluminium) gelegt, über die eine „Haut“ gespannt wird. Die Höhenlage der Gurte ist prinzipiell frei wählbar. Die Gurte reagieren hier auf die äußeren Bedingungen, z.B. die Anschlusshöhen der angrenzenden Bauteile oder die Größe der Fenster. Zum Konzept gehört auch, dass die Gurte in der Höhe „verzogen“ werden können, z. B. um den Dachanschluss zum Nachbargebäude zu realisieren. Die Gurte müssen im Grundriss nicht kongruent sein. Auch in der Vertikalen/ im Schnitt kann so eine neue Outline des Baukörpers erzeugt werden.
Als Hülle soll eine Glasfaser-bewehrte PTFE-Membran (Polytetrafluorethylen) eingesetzt werden.
Dieses Material hat eine sehr hohe Lebenserwartung und ermöglicht weit spannende Konstruktionen, so dass mit relativ wenig Unterkonstruktion / wenigen Gurten gerechnet werden kann. Das Material ist je nach Dicke lichtdurchlässig. Die Lichttransmission des Materials liegt bei 25%. Bereits 5% ersetzt Kunstlicht effizient. Ein Transluzenz-Grad von 65% ist erreichbar. Die Membran ist unbrennbar und wartungsfrei. Die Einhüllung ist geschlossen und hinterlüftet. Tauben und Insekten haben keinen Zugang.
Die Membran ist selbstreinigend. Schmutz wird vom Regen abgewaschen.
Alle verwendeten Materialien sind recyclingfähig. 

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