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Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg

pvma dsh projekticon
Jahr
2010
Ort
Hamburg
Status
1.Preis
Verfahren
Wettbewerb
Bautyp
Theaterbau

Idee und städtebauliche Einbindung

Ziel des Entwurfs ist es, den Baukörper des Bühnenturms in Maßstab, Farbe und Materialität in die Umgebung einzufügen und ihn optisch zu verkleinern. Der Übergang zwischen Bauwerk und Himmel soll fließend sein, die Kanten durchscheinend, so dass das Gebäude entmaterialisiert wirkt. Der Bühnenturm mitsamt seiner aus der historischen Struktur weiterentwickelten Treppenhäuser wird mit einer neuen Haut umwickelt. Die vorhandenen Eckpunkte werden akzeptiert und auf kürzestem Weg verbunden, so dass im Grundriss eine neue Outline entsteht, die aus der Asymmetrie der beiden Treppenhäuser Qualitäten gewinnt. Die stoffartige Haut weckt Assoziationen zum Vorhang, zum Segel, zur Wolke.

Belichtungskonzept bei Tag, Nacht und Dämmerung

Die seitlichen Fassaden erhalten große Öffnungen für natürliches Tageslicht, die durch die unabhängige Hülle größer ausfallen können als bisher geplant, so dass auch Licht auf die Bühne fällt. Die Fenster erhalten Dreifachverglasung mit innen liegender Verdunklung, auf der Südseite zusätzlich einen regulierbaren Sonnenschutz. Durch die Nordöffnung fällt gleichmäßiges Atelierlicht ohne Verschattungsbedarf. Bei Nacht ermöglicht der Abstand zwischen Fassade und Haut, den Baukörper von innen leuchten zu lassen oder von außen anzustrahlen; die Membran bietet dafür Projektionsflächen. Bei Dämmerung schimmern die Fensteröffnungen durch die Haut und zeigen die Arbeit im Turm nach außen.

Straßenperspektive mit dem historischen Kuppelbau des Schauspielhauses, hinter dem sich der weiße, kubische Bühnenturm erhebt.
Straßenperspektive Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg
Ein heller, kubischer Baukörper ergänzt hinter einem historischen Kuppelbau die Platzansicht mit kahlen Bäumen im Vordergrund.
Perspektive Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg
Historisches Theatergebäude mit klassizistischer Fassade, hinter dessen Kuppel ein heller, kubischer Aufbau als neuer Bühnenturm herausragt.
Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg, Nachtansicht

Konstruktion und Material der Hülle

Um den Bühnenturm werden horizontale Gurte, sogenannte Loops, etwa aus Stahl oder Aluminium, in unterschiedlichen Abständen gelegt und pro Geschoss befestigt, über die eine Haut gespannt wird. Die Höhenlage der Gurte ist frei wählbar und reagiert auf äußere Bedingungen wie Anschlusshöhen oder Fenstergrößen. Als Hülle kann eine glasfaserbewehrte PTFE-Membran eingesetzt werden, die eine hohe Lebenserwartung hat, weit spannende Konstruktionen mit wenig Unterkonstruktion ermöglicht und je nach Dicke lichtdurchlässig ist. Die Membran ist unbrennbar, wartungsfrei und selbstreinigend, alle verwendeten Materialien sind recyclingfähig. Zuglasten werden durch Druckstäbe zwischen den Gurten aufgenommen.

Explosionsaxonometrie zerlegt den Baukörper in Sockel, Tragwerksraster, Fassadenschicht und Dach übereinander.
Explosionsaxonometrie Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg
Ansicht von Westen zeigt einen historischen Kuppelbau mit neuem, transparent verkleidetem Bühnenturm dahinter.
Ansicht West, Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg
Schnitt durch den Bühnenturm zeigt Hauptbühne, Seitenbühne und die Arbeitsgalerien über mehrere Geschosse.
Schnitt A-A, Bühnenturm Schauspielhaus Hamburg

Fassade und thermische Hülle

Es erscheint ratsam, bei der ursprünglichen Konzeption mit außen liegender thermischer Hülle zu bleiben, damit keine Wärmebrücken entstehen und die Stahlkonstruktion im warmen Bereich bleibt. Bei den Treppenhäusern erscheint eine Verlagerung der thermischen Hülle nach innen problematisch, zumal die bestehende Planung deren Wände im Tragwerk nicht berücksichtigt, obwohl sie zur Lastabtragung hilfreich sein könnten. Auch für das Dach wird ein Warmdach oberhalb der Stahlkonstruktion empfohlen. Die neue Konstruktion steht vor der thermischen Hülle und schließt nur in wenigen, thermisch trennbaren Punkten an die Primärstruktur an; die Vertikallasten aus der Membran-Unterkonstruktion sind minimal.