Wohn- und Nutzungskonzept
Die architektonische Struktur der Gebäude ermöglicht flexibles Wohnen: Aufgrund der flexiblen Tragstruktur können Räume zu- oder weggeschaltet werden, sodass unterschiedliche Wohnbiografien, Wohnformen und Eigentumsverhältnisse möglich sind. Die Holzmassivbauweise lässt unterschiedlichste Wohnungsgrössen zu, wodurch verschiedene Nutzergruppen die Gebäude bewohnen. Ergänzt werden die Wohnungen durch quartiersnahe Nutzungen. Experimentelle Wohnformen, Wohngruppen über grosse Cluster, familienfreundliche Grundrisse, flexible Paarwohnungen und die Kombination aus Wohnen und Arbeiten durch zuschaltbare Jokerräume schaffen ein heterogenes Bewohnernetzwerk.
Gebäudekonzeption und Konstruktion
Der Neubau kombiniert traditionelle Holzbauweise, BSH-Decken und vorgefertigte Fassadenelemente aus Holzmassivelementen. Die Vorfabrikation ermöglicht durch konsequente Rasterung und Repetition über die Geschosse eine schnelle, ökologische und kostenoptimierte Bauweise. Die kompakte Flächenorganisation resultiert in einer optimierten Fassade und einem hohen Vorfabrikationsgrad. Der Holzbau trägt zu einem gesunden Raumklima bei, da Holzoberflächen aufgrund geringer Wärmeleitfähigkeit als warm und klimaregulierend empfunden werden. Die Townhouses reagieren mit zurückgeschobenem Eingangsbereich und Splitlevelkonfiguration auf die über 1,70 Meter hohe denkmalgeschützte Mauer und integrieren diese in das Erschliessungssystem.
Städtebau- und Freiraumkonzeption
Die städtebauliche Qualität in Körnung und Massstäblichkeit formuliert eine sensibel eingebundene und zugleich eigenständige Gebäudekonfiguration. Als Auftakt ins Baugebiet setzt sich ein identitätsstiftender Baukörper an einen massstäblich angemessenen Vorplatz. Südlich spannt sich ein Quartiersplatz auf, gefasst vom Tor der denkmalgeschützten Kasernenmauer, das als Hauptzugang für Fussgänger dient. Jede Wohnung erhält Zugang zu mindestens einem privaten Aussenraum mit Licht, Luft und Sonne, ergänzt durch gemeinschaftlich geteilte Aussenflächen. Die Vorzonen der Wohngebäude werden als Retentionsflächen ausgestaltet und fördern über ein oberflächennahes Entwässerungssystem als Teil einer blau-grünen Infrastruktur Grundwasserneubildung und Mikroklima.
Mobilität
Ein zentral erschlossener Wohnungsbau bildet den südlichen Abschluss des Baugebiets und beherbergt eine Mobilitätsstation mit Sharingkonzepten, Ladestationen und Stellplätzen neben der Tiefgarageneinfahrt. Unterschiedliche Erschliessungsformen fördern die informelle Begegnung und den nachbarschaftlichen Austausch. Eine identitätsstiftende Fahrradgarage mit 96 Fahrradstellplätzen bildet den Auftakt ins Quartier. Ein alternatives, bedarfsgerechtes Mobilitätsangebot schafft eine Alternative zum privaten Pkw, geteilte Verkehrsräume die Grundlage für ein neues Miteinander, ergänzt durch die Anbindung an das Radnetz Münsters.
Umsetzungskonzept und Wirtschaftlichkeit
Für eine Mischung sozialer Cluster wird eine ausgewogene Kombination aus Eigentum und Miete vorgesehen. Etwa 45 Prozent der Wohnfläche entstehen als Stadthäuser und Eigentumswohnungen zur individuellen Gestaltung. Der Grossteil der übrigen Wohneinheiten wird zu 80 Prozent zur Miete angeboten und mindestens 20 Jahre im Bestand gehalten, bei einer ortsüblichen Miete von durchschnittlich 14 Euro pro Quadratmeter. 40 Prozent der Wohnfläche stehen zu einem gedämpften Mietpreis von 11 Euro pro Quadratmeter für Berufsgruppen der Daseinsvorsorge zur Verfügung. Gewerblich nutzbare Flächen in den Erdgeschosszonen tragen zur Belebung der Quartiersplätze bei und werden über ein Bewerbungsverfahren für einen Mietpreis von 6,50 Euro pro Quadratmeter vergeben.