Neues Verwaltungsensemble ‚Pro-Arbeit‘ am Ortseingang von Dietzenbach
Das Grundstück liegt am östlichen Ortseingang von Dietzenbach, an der Schnittstelle zwischen gewerblich geprägter Siedlungsstruktur und freier Landschaft. Der Neubau vermittelt zwischen Stadtraum und Landschaft: An der Kreuzung Vélizystraße/Gottlieb-Daimler-Straße entsteht ein städtebaulicher Hochpunkt als Orientierungspunkt, während sich die Gebäudehöhen nach Norden und Osten abstaffeln. Das Volumen gliedert sich in mehrere vertikal entwickelte Häuser auf einem zweigeschossigen Sockel, wodurch eine der gewerblichen Nachbarschaft angemessene Körnigkeit entsteht. Leicht zueinander verdrehte Baukörper schaffen differenzierte Zwischenräume mit Blickbezügen zu Stadt und Landschaft und schützen den Landschaftsraum vor Licht- und Lärmemissionen.
Freiraum und Regenwassermanagement
Der Entwurf verfolgt einen versiegelungsarmen, naturnahen Ansatz. Die Außenbereiche gliedern sich in einen westlichen Eingangsplatz mit Bushaltestelle und barrierefreien Stellplätzen, einen östlichen öffentlichen Aufenthaltsbereich mit Anbindung an Grünflächen und Spazierwege sowie einen südlichen, eingefriedeten Mitarbeiterbereich. Die Dachlandschaft ist mit insektenfreundlichen Stauden und Gehölzen begrünt. Der östliche Grundstücksbereich erhält eine ortstypische Wiesen- und Gehölzpflanzung mit Habitatstrukturen. Das Regenwasserkonzept setzt auf mehrstufige Bewirtschaftung gemäß Wasserschutzzone IIIA: Dachbegrünungen speisen zwei Zisternen mit 300 m³ Gesamtvolumen, vier Versickerungsmulden mit 125 m³ sowie vier Rigolen sichern die kontrollierte Versickerung nach dem Schwammstadt-Prinzip.
Hochbauliches Konzept und Grundrissorganisation
Die fünfarmige Gebäudekubatur verbindet stadträumliche Setzung mit innerer Organisation und funktionalen Anforderungen eines modernen Verwaltungsbaus. Ein zentrales Atrium verknüpft die Ankommens- und Verteilebenen und verbindet sie mit der Dachlandschaft. Im Erdgeschoss organisiert sich ein multifunktionaler Haupteingang mit differenziert zoniertem Servicebereich um das Atrium; der nördliche Gebäudearm nimmt einen halböffentlichen Besprechungs- und Konferenzbereich auf, der südliche Bereich den internen Core mit Gebäudemanagement und Personalbereichen. Im 1. Obergeschoss sind zentrale Funktionsbereiche wie Agentur für Arbeit, Grundsicherung und Jobcoaching angeordnet. Die Regelgeschosse folgen einer klaren Clusterstruktur mit kommunikativen Mittelzonen und guter Tageslichtversorgung aus mehreren Richtungen.
Tragwerk und technische Realisierbarkeit
Das Tragwerk ist als Hybridbau konzipiert: Ein Holzskelettbau bildet die primäre Tragstruktur, ergänzt durch massive Stahlbetonkerne für vertikale Lastabtragung und Aussteifung. Holz-Beton-Verbunddecken verbinden hohe Tragfähigkeit, Schwingungssteifigkeit, Schallschutz und Brandschutz. Die Körnigkeit der Kubatur unterstützt ein klares Brandschutzkonzept mit eindeutiger Brandabschnittsbildung; jeder Hochpunkt verfügt über zwei unabhängige bauliche Rettungswege mit maximal 35 m Fluchtweglänge. Die zwei südlichen Gebäudeteile werden als Hochhäuser ausgebildet. Ein durchgängiges Konstruktionsraster von 1,35 m sowie standardisierte Spannweiten reduzieren konstruktive Komplexität und erleichtern Ausführung und Wartung.
Energetisches und Nachhaltigkeitskonzept
Das Gebäude wird nach dem Förderstandard „Klimafreundlicher Neubau“ entwickelt, mit der Hierarchie Reduktion vor Technik und passive vor aktiven Strategien. Kompakte Bauform, hochgedämmte Hülle mit Dreifachverglasung und außenliegendem Sonnenschutz reduzieren den Energiebedarf; die Holz-Beton-Verbunddecken wirken als thermische Speichermasse. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung von über 80 % sichert die Luftqualität. Dach- und Fassadenflächen werden mit Photovoltaik zur Eigenstromerzeugung genutzt, das Dach ist als kombiniertes Grün- und Solardach ausgebildet. Materialwahl und mechanische Verbindungen zielen auf Langlebigkeit, Rückbaubarkeit und Recyclingfähigkeit; auch das Parkhaus ist auf mögliche spätere Umnutzung ausgelegt.
Erschliessung und Mobilität
Die Ein- und Ausfahrt des Parkhauses mit rund 350 Stellplätzen erfolgt im Norden über den bestehenden Kreisel und bündelt den motorisierten Verkehr fern vom Haupteingang. Im Erdgeschoss des Parkhauses entsteht ein Mobilitätshub mit Car-Sharing, E-Ladestationen und Fahrradstellplätzen. Eine gut einsehbare Fahrradrampe führt zu einer Fahrradgarage im Untergeschoss mit Tageslichtbezug, die an Hauptzugang, Mitarbeiterbereich und internen Logistikkern angebunden ist. Die bestehende Bushaltestelle wird in die Vorplatzsituation integriert und für künftige flexible Mobilitätssysteme dimensioniert. Der Zugang zum Gebäude erfolgt durchgängig barrierefrei und niveaugleich vom Vorplatz.