Entwurfskonzept
Der Ersatzneubau der Elly-Heuss-Schule soll sich in die bestehende Schulbebauung an der Schwalbacher Straße und dem neu gestalteten Platz der deutschen Einheit einfügen und diese bereichern. Wir schlagen einen neuen Stadtbaustein vor, der sich in seiner Maßstäblichkeit, Kubatur und Materialität an den Bestand anlehnt und diesen zeitgemäß interpretiert.
Der inhaltliche Zusammenhang des Schulensembles wird durch ein gemeinsames Materialkonzept unterstrichen. Unser Ziel ist es, den Neubau selbstverständlich in den Bestand einzubinden und dennoch seine besondere Stellung in der Wiesbadener Innenstadt kenntlich zu machen.
Freiraumgestaltung
Durch den vorgeschlagenen Ersatzneubau erhält das Ensemble der Elly-Heuss-Schule entlang der Schwalbacher Straße eine neue Raumkante und eine neue städtebauliche Figur. Dem innenliegenden Schulhof und den Schnittstellen der angrenzenden Freiräume kommt dadurch eine gesteigerte Bedeutung zu. Der bestehende Baumbestand wird im Rahmen der Umgestaltung erhalten und als zentrales Element eines atmosphärischen Innenhofes zu einem Stadthain weiterentwickelt und durch weitere Baumpflanzungen ergänzt. Der Bereich unterhalb der Bestandsbäume erhält durch ein aufgeständertes Holzpodest als Platzintarsie eine zentrale Bedeutung innerhalb der Raumabfolgen.
Um die Bestandsbäume zu schützen und dennoch mit der Topographie arbeiten zu können, wird das Holzdeck als aufgeständerte Konstruktion vorgeschlagen, sodass die Stammansätze nicht geschädigt werden. Innerhalb des Holzdecks ergeben sich wiederum Sitz- und Aufenthaltselemente, welche sich scheinbar aus dem Belag herausprägen. Die umlaufenden Höheunterschiede im Gelände werden charmant durch verschleifende Stufenanlagen abgefangen und formen dadurch zwei Plateaus unterhalb des vorhandenen Blätterdaches.
Ergänzende Baumpflanzungen im Westen entlang der Elly-Heuss-Schule und vereinzelte Pflanzungen im Süden bilden den räumlichen Abschluss des Innenhofes und ergänzen durch ein feines Blattwerk die atmosphärische Wirkung und die Aufenthaltsqualitäten des Schulhofes zusätzlich.
Im Übergang zur Bushaltestelle entlang der Schwallbachstraße wird das Geländeniveau aus dem Innenhofe fortgeführt und über eine Stufenanlage an den Gehweg angebunden. Der entstehende Freiraum besitzt das große Potenzial, um die Haltestellensituation entlang der Straße zu entschärfen und einen qualitätvollen Wartebereich auszuformulieren. Dieser greift über die Materialität in Belag und Ausstattung die Identität des Innenhofes auf und wird dadurch Teil des Quartiers. Durch ein großzügiges Holzdeck erhält der Raum ein markantes Sitzelement und durch ergänzende Baumpflanzungen wird die Idee eines städtischen Haines in die Schnittstelle der umgebenden Stadträume fortgeführt.
Baukörper/Innere Erschließung
Der Ersatzneubau nimmt im Erdgeschoss, neben den Zugängen zu Schule und Kita, einen Nutzungsmix aus Einzelhandelsflächen an der Schwalbachstraße, einer zweigeschossigen gastronomischen Nutzung zum neuen Stadtplatz, zwei Seminarräumen des geplanten Sportinternats am Schulhof, sowie die Zufahrt zu einer öffentlichen Tiefgarage auf.
Der Zugang zur schulischen Nutzung verortet sich gegenüber dem Nebeneingang des Bestandsgebäudes, mit angeschlossenem Aufenthaltsraum GOS öffnet sich das Foyer zur Milchbar die sich an der nordwestlichen Ecke des Neubaus befindet, sie soll als Schnittstelle der Schule mit dem öffentlichen Raum fungieren.
Eine einläufige Treppe – als zentrales und repräsentatives Erschließungselement – verbindet das Foyer der Schule mit den ersten beiden Geschossen, die großzügigen Lufträume verknüpfen die Schulgeschosse visuell. Barrierefrei werden die Geschosse über den zentral angeordneten Aufzug erschlossen. Zwei weitere Kerne erschließen das Gebäude vertikal und erfüllen die Funktionen der baurechtlich notwendigen Fluchtwege.
Die Kita im dritten und vierten Obergeschoss, wird von der Schwalbachstraße erschlossen und staffelt sich mit seinen vier Gruppenräumen zum Schulhof zurück. Durch die Staffelung der „Gruppenhäuser“ ensteht eine differenzierte Außenfläche mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten. Im Inneren entsteht ein großzügiger Spielflur für die Kitakinder.
Material und Konstruktion
Das Gebäude ist mit einem Grundraster von 1,25m in Massivbauweise konzipiert. Die Geschosshöhen betragen im Erdgeschoss 4,50, in den Obergeschossen jeweils 3,50 m.
Das Erdgeschoss wird in Sichtbeton ausgeführt und unterstreicht damit die massive Sockelwirkung. Die äußere Erscheinung des Baukörpers wird durch die Materialität des Ziegels und des Filtermauerwerks in den ersten beiden Obergeschossen bestimmt. Die geplante Fassade aus geschlämmtem Ziegel als Verblendmauerwerk nimmt Bezug auf die umgebende Bebauung und interpretiert diesen zeitgemäß.
Die Fassade erscheint in einer Struktur, die sich im städtebaulichen Kontext einfügt und in die kleinteilige Stadtstruktur integriert.
Die Gruppenhäuser der Kita können in Elementbauweise hergestellt und während der Rohbauphase des Massivbaus parallel im Werk vorgefertigt werden.