Einbindung und Standort
Der Turm entsteht auf dem höchsten Punkt der Abraumhalde Sophienhöhe, an der Stelle des bisherigen Römerturms, der zurückgebaut wird. Sein Mauerwerk wird im Sockel des neuen Turms einer neuen Nutzung zugeführt, sodass ein Teil des historischen Bauwerks erhalten bleibt. Der Turm ist Bestandteil des Hambach-Loops und bildet den Höhepunkt der Drei-Gipfel-Tour. Sein Fußabdruck ist minimiert, um den Einfluss auf die vorhandene Vegetation gering zu halten; erst in der Höhe weitet er sich zu Aussichtsplattformen auf, die einen Rundblick zum Brainergy Park, den umliegenden Kommunen, benachbarten Tagebauen, zum Kölner Dom, zur Eifel, zu den Niederlanden und zu den künftigen Seenlandschaften Inden, Hambach und Garzweiler bieten.
Räumliches Konzept: Sockel, Gehölz, Wipfel
Der Entwurf gliedert den Turm in drei Zonen nach dem Bild des Baumes: Erdgeschoss als Wurzel, Gehölzgeschosse als Stamm, Wipfelgeschosse als Krone. Der runde, geschlossene Sockel besteht aus Stampflehm, gewonnen aus Material vor Ort. Über eine abfallende Rampe gelangt der Besucher in einen abgedunkelten Orientierungsraum, der zur Sammlung vor dem Aufstieg einlädt. Von dort öffnet sich die Konstruktion zu den Gehölzgeschossen auf quadratischem Grundraster, ausgeführt in lokalen Bauhölzern, was die Analogie zum Baum materiell unterstreicht.
Aufstieg durch die Gehölzgeschosse
Vier als Doppelhelix ausgeführte, verwobene Kaisertreppen mit ergonomischer Steigung bieten dem Besucher freie Wahl des Aufstiegswegs. Ein extrovertierter Weg entlang der Außenseite bietet wechselnde Ausblicke in Baumkronen und Landschaft, ein introvertierter Weg führt auf engem Radius entlang des zentralen Luftraums im Inneren. An jedem Zwischenpodest kann der Weg neu gewählt werden, sodass jeder Besuch ein eigenes Erlebnis ergibt. Die Tragkonstruktion aus Holzstützen und Streben wird selbst zum begehbaren Raum.
Wipfelgeschosse und Aussichtsplattformen
Oberhalb der Baumkronen weitet sich der Turm über vier nach oben größer werdende, ringförmige Plattformen, die auch bei größeren Besucherzahlen ausreichend Raum bieten. Je nach gewähltem Aufstiegsweg wird der Blick auf vier Hauptrichtungen gelenkt: zum Höller Tor, zum Hambacher See mit Besucherzentrum, nach Jülich mit dem Jülicher Kopf, wo ein zweiter Turm geplant ist, sowie Richtung Aachen. Sitzbänke und in die Brüstung integrierte, auch ertastbare Informationstafeln laden zum Verweilen und Informieren ein. Die unteren drei Plattformen sind witterungsgeschützt.
Konstruktion und Wirtschaftlichkeit
Das quadratische Grundraster basiert im Kern auf einer Stützenkonstruktion aus Brettschichtholz, ausgeführt als gekoppelte, überdimensionierte Fachwerkträger. Acht Hauptstützen werden mittels Pfahlgründung im aufgeschütteten Boden verankert. Treppen, Podeste, Plattformen und Geländer sind ebenfalls in Holz gefügt, mit Verbindungsmitteln aus verzinktem Stahl für Langlebigkeit und geringen Wartungsaufwand. Die sich wiederholenden Bauelemente ermöglichen eine weitgehende Vorfertigung als transportierbare Module, die vor Ort mit einem Mobilkran zusammengefügt werden.
Ökologische Nachhaltigkeit
Alle Elemente des Turms, Holz, Stahl und der Stampflehmsockel, sind vollständig rückbaubar und rezyklierbar. Die regionale Verfügbarkeit der Materialien sorgt für kurze Transportwege. Während der Bauzeit werden Eingriffe in Flora und Fauna sowie Bodenverdichtung und Erosion minimiert. Der Turm kommt ohne Strom-, Wasser- oder Abwasseranbindung, ohne Heizung, künstliche Beleuchtung oder maschinentechnische Anlagen aus, wodurch der ökologische Fußabdruck im Betrieb entfällt.