Ort und Kontext
Die Grundschule Lauenförde liegt am westlichen Ortsrand in einer ruhigen Wohngegend – eingebettet in einen gewachsenen Bildungs- und Sportstandort mit Kita, Sportheim und neuer Sporthalle. Das Areal wird von Würgasser Straße, Oberem Feld und Schweizerstraße umrahmt; die Schule selbst liegt in zweiter Reihe und öffnet sich mit ihren zentralen Außenanlagen nach Westen zum Spielplatz und zur Kindertagesstätte.
Mit der Erweiterung des Grundstücks nach Süden – einer neuen Bushaltestelle und einem Parkplatz – verbessern wir die Erschließung und stärken das gesamte Areal. Diese südliche Verbindung wird zur neuen Adresse, die Sporthalle, Grundschule und Sportheim selbstverständlich miteinander verknüpft.
Bauen im Bestand statt teurer Interimslösung
Unsere Analyse zeigt: Eine Interimslösung mit Ersatzflächen für das Bestandsgebäude würde rund 1.400 m² erfordern – bei etwa 2,1 Millionen Euro für eine Standzeit von 24 Monaten und damit 40 % der Baukosten. Das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Deshalb schlagen wir vor, Erweiterung und Sanierung im laufenden Betrieb durchzuführen. So bleiben die organisatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gewahrt – und Ressourcen dort, wo sie dem Projekt zugutekommen.
Städtebau: eine neue Adresse
Die neuen Gebäude bewahren die gewachsene Struktur des Geländes und schaffen zugleich mehr Durchlässigkeit und eine klare Adressbildung. Drei Baukörper fügen sich harmonisch in die Umgebung ein und verbinden Kita, Sporthalle und Sportheim zu einem Gesamtkonzept.
Die südlichen Gebäude bilden eine einladende Vorplatzsituation, die den kleinen und den großen Schulhof miteinander verknüpft. Formensprache und Geschossigkeit betonen die Identität des Ortes und fördern Kommunikation und Bewegung. Der Neubau besteht aus einem Verwaltungsgebäude mit Aula und einem zweigeschossigen Lernhaus; die Aula wird zum Bindeglied zwischen Eingangsbereich und Schulhof. Im Norden ergänzt die Sanierung und Umstrukturierung des Bestandsgebäudes für OGS und Mensa das Ensemble.
Freiraum: ein von Vegetation geprägter Ort
Das Schulgelände wird zu einem von Vegetation geprägten Ort weiterentwickelt und überträgt die Qualitäten des bestehenden Schulhofs in die Neugestaltung. Spielerische Formen schaffen vielfältige Teilräume, die sich die Jahrgangsstufen individuell aneignen können. Ein grüner Saum fasst die Bereiche ein, Grüninseln und Baumsetzungen ergänzen sie, und Bestandsgehölze werden selbstverständlich integriert. Streetballfeld, Tischtennisplatten und weitere Spielangebote verteilen sich über die Hofflächen; angrenzend an die Verwaltung entstehen Außenflächen für Lehrkräfte und Schulgärten.
Im Norden dient eine große Feuchtwiese als übergeordnete Retentionsfläche: Sie speichert Niederschlagswasser zwischen, entlastet das Entwässerungssystem und lässt sich zugleich als Naturbildungsraum für Exkursionen nutzen. Ähnliche Angebote entstehen im Süden rund um Sporthalle und Parkplatz, wo Naschgärten mit Obstgehölzen und Sträuchern zur Naturbeobachtung einladen.
Auf dem gesamten Gelände wählen wir hochwasserverträgliche und erosionsstabile Materialien. Die Geländeprofilierung ermöglicht ein gezieltes Rückhalten und kontrolliertes Abführen von Wasser in die grün geprägten Randbereiche, und die Pflanzenauswahl setzt auf standortgerechte, feuchteresistente Arten, die längere Trockenphasen ebenso vertragen wie kurzzeitige Überstauungen.
Erschließung: der aktive Schulweg
Die südlich gelegene Bauminsel wird zum zentralen Ankunftspunkt und zur Drop-off-Zone – mit neuer Bushaltestelle und den in das Freiraumkonzept integrierten Parkplätzen. Von hier führt die Haupterschließung nach Norden und bindet die Sporthalle funktional an. Zwischen Neubauten, Sporthalle und Vereinsheim entsteht eine zentrale Platzfläche als verbindendes Entrée. Die Andienung von Grundschule und Mensa erfolgt weiterhin über die Wendeanlage an der Schweizerstraße.
Sichere, barrierefreie Wege für Fußgänger und Radfahrer verknüpfen den Vorplatz selbstverständlich mit den Fahrradstellplätzen und dem zentralen Fahrrad- und Rolleraum im Eingangsbereich. So entsteht eine bewegungsfreundliche Struktur, die den aktiven Schulweg fördert.
Architektur: drei Baukörper, kurze Wege
Die drei Gebäude sind als eigenständige Baukörper konzipiert und über witterungsgeschützte Fassaden auf kurzen Wegen miteinander verbunden. Das Fluchtwegkonzept des Lernhauses wird dabei zum integralen Bestandteil des Alltags: Die an den Fassaden liegenden Fluchtbalkone sind nicht nur Sicherheitsinfrastruktur, sondern ermöglichen eine überdachte, wettergeschützte Außenerschließung.
Die wenigen Wege unter freiem Himmel sind durch die präzise Anordnung der Baukörper bewusst kurz gehalten. So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen geschützter Erschließung und Freiluftbezug – gerade im Grundschulkontext wertvoll, wo Kinder den Außenraum als festen Bestandteil des Schulalltags erleben. Das Konzept unterstützt ein gesundheitsförderndes, differenziertes Bewegungsangebot im Sinne von „bewegtem Lernen“ und „Lernlandschaften im erweiterten Raum“.
Innere Struktur: Lernhaus mit Marktplatz
Das südliche Gebäude mit Haupteingang beherbergt die zentrale Aula samt Musikraum, der als Bühne dienen kann. Angrenzend liegen Sekretariat, Schulleitung und Hausmeisterbereich, zum Schulhof hin das Lehrerzimmer mit Konferenzraum. Die erhöhte Aula fungiert als flexibler Mehrzweckraum und verbindet Eingang und Schulhof.
Das Lernhaus wird zentral vom Schulhof erschlossen. Ein Marktplatz mit integrierten Garderoben bildet das Herzstück und verknüpft alle vier Jahrgangsstufen: im Erdgeschoss die Stufen 1 und 2, im Obergeschoss die Stufen 3 und 4 sowie ein Werkraum. Transparente Gestaltung und eine offene Lernmitte schaffen flexible Nutzungsmöglichkeiten. Mensa und Ganztagsbereich werden durch Rückbau des geschlossenen Flurs, eine Erweiterung und ein neues Dach baulich aufgewertet und gezielt zum Außengelände geöffnet.
Klimagerechtes Energiekonzept
Technische Aufrüstung zum „intelligenten Gebäude“ und ökologisch fragwürdige Dämmstoffe führen nicht zwangsläufig zu langlebigen, nachhaltigen Bauten. Eine Architektur, die dem Klimawandel gerecht wird, nutzt und reguliert die klimatischen Bedingungen mit typologischen, konstruktiven und thermischen Strukturen – im Dialog mit den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer.
Unser klimagerechter Ansatz setzt auf Langlebigkeit, Zeitlosigkeit und eine natürliche, robuste Materialität. Hochwertige, ökologisch zertifizierte Materialien in solider Ausführung sichern eine hohe Nachhaltigkeit und senken künftige Betriebs- und Unterhaltskosten. Dachflächen werden als grüne Klimadächer geplant, die Photovoltaik flexibel integrieren und zu einer positiven Energiebilanz beitragen.
Die Decken dienen als aktive thermische Speicher und regulieren das Raumklima. Über natürliche Nachtauskühlung wird überschüssige Wärme abgeführt, sodass auch an heißen Sommertagen ein behaglicher Innenraumkomfort erhalten bleibt. Das robuste Struktursystem erlaubt eine flexible Kombination aus natürlicher und mechanischer Belüftung – technische Systeme ergänzen nur dort, wo es nötig ist. In den Aufenthaltsräumen des Ganztagsbereichs und im Lernhaus übernehmen brüstungsintegrierte, dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung diese Ergänzung. Ziel ist ein hochleistungsfähiges, wartungsarmes Gebäude mit geringem Energiebedarf und niedrigen Folgekosten.
Konstruktion: Holz, Lehm und Vorfertigung
Für ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Gebäude setzen wir auf einen Holzskelettbau, der die Natürlichkeit des Materials über die Holzfassade der oberen Geschosse nach außen trägt. Flexible Stützen und wenige aussteifende Wände machen das Gebäude anpassungsfähig für künftige Nutzungen. Wir kombinieren traditionelle Holzbauweise mit vorgefertigten Fassadenelementen in Holzrahmenbauweise.
Da das Gebäude im Überschwemmungsgebiet liegt, legen wir das Eingangsniveau auf 97,60 m ü. NN und planen das Erdgeschoss mit einem 60 cm hohen Betonsockel. So reagieren die Gebäude auf den Wasserstand des HQ 100 und halten bereits einen Puffer von rund 20 cm vor; die wenigen bodentiefen Öffnungen sind auf den Wasserdruck ausgelegt.
Zwischen Klassen- und Differenzierungsräumen setzen wir Trennwände aus gepressten Lehmziegeln: Sie verbessern Akustik und Schallschutz, wirken als natürlicher Wärmespeicher und stabilisieren das Raumklima. Die Holz-Lehm-Verbunddecke aus rezyklierbaren Materialien (Dreischichtplatte, leimfreier Vollholzträger, Lehmausfachung) sichert die aussteifende Wirkung der Deckenscheibe und den Brandschutz; die Lehmausfachung reguliert Feuchte, schützt das Holz und erfüllt zugleich den Luftschallschutz.
Die vollautomatische Vorfabrikation der Deckenelemente sichert konstant hohe Qualität zu wettbewerbsfähigem Preis: Die Elemente brauchen keine Trocknungszeit und lassen sich direkt verbauen. Vorfertigung und konsequente Rasterung ermöglichen eine schnelle, ökologische und kostengünstige Bauweise – die kompakte Flächenorganisation und optimierte Fassade führen zu einer wirtschaftlichen Realisierung mit hohem Vorfabrikationsgrad.