hqh 220207 holsten quartier baufeld 10 master k02 aspect ratio 2.4 1

Holsten Quartier Baufeld 10

pvma hqh projekticon
Jahr
2022
Ort
Hamburg
Status
Wettbewerb
Verfahren
Wettbewerb
Bautyp
Hotel
Lageplan mit Blockrandbebauung um begrünte Innenhöfe, im Zentrum ein neu geplantes Baufeld mit Terrassen.
Lageplan Holsten Quartier Baufeld 10
Axonometrie eines Gebäudeensembles mit nummerierten Bauteilen und farbig hervorgehobenen Bestandsbauten sowie Neubauten.
Axonometrie, Holsten Quartier Baufeld 10
Axonometrie mehrerer Baukörper unterschiedlicher Höhe, einer mit rasterartiger Fassade und farbigen Markierungspunkten.
Pikto Axo – Holsten Quartier Baufeld 10
Axonometrie zweier gelber Baukörper unterschiedlicher Höhe mit begrüntem Dach und Nachbargebäude als Umrisslinie.
Piktogramm Axonometrie, Holsten Quartier Baufeld 10
Axonometrie zweier Gebäudekomplexe mit hervorgehobenen roten Treppenhauskernen in den Baukörpern.
Piktogramm Erschliessungskerne, Holsten Quartier Baufeld 10
Axonometrie mehrerer Baukörper unterschiedlicher Höhe, ein auskragendes Dach rot hervorgehoben.
Piktogramm Axonometrie 2, Holsten Quartier Baufeld 10

Situation und Leitidee

Im Rahmen der Entwicklung des neuen Holstenquartieres in Hamburg-Altona zählt das Baufeld 10 durch seine Lage und Nutzung zu einem der wichtigsten Bausteine der städtebaulichen Entwicklung. Mit mehreren Bestandsgebäuden der Holstenbrauerei und einem neuen Hotelbau hebt sich das Grundstück von den bestehenden und neu geplanten Wohnblöcke zu einem Orientierungsanker für Hamburg Altona ab.

Den Ansatz der Ausloberin, Städtebau, Freiräume und Gebäude stark aus dem Ort heraus und mit Blick auf die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers zu entwickeln, wollen wir mit unserer Architektur und Freianlagenplanung weiter schärfen.

Wir schlagen vor das alte Holsten Quartier in einer Transformation der Nutzungen zu einem öffentlichen Nukleus mit der Stadt zu verschmelzen und die notwendigen Anliegen des Klimaschutzes mit dem gezielten Einsatz von ressourcenschonenden Materialien und Bauweisen zu verbinden.

Grundriss des Erdgeschosses zeigt zwei winkelförmige Gebäudeteile mit Räumen unterschiedlicher Nutzung, umgeben von Freiflächen und Baumbestand.
Grundriss EG – Holsten Quartier Baufeld 10
Grundriss des Obergeschosses zeigt einen langgestreckten Gebäuderiegel mit beidseitig angeordneten Wohnungen entlang eines Mittelflurs.
Grundriss OG, Holsten Quartier Baufeld 10
Grundriss des Dachgeschosses zeigt einen langgestreckten, schräg gestellten Baukörper mit Zimmerreihen entlang eines Flurs.
Grundriss Dachgeschoss, Holsten Quartier Baufeld 10

Material & Konstruktion

Juliusturm und Gewerbe

Als Primärkonstruktion hinter der hinterlüfteten Klinkerschale schlagen wir die Verwendung von klimaneutralen hochwärmedämmendem Mauerwerk in monolithischer Bauweise vor, die in Verbindung mit vorgefertigten Holz-Beton-Hybriddecken eine optimal gedämmte Gebäudehülle versprechen und alle 150011 Anforderungen an den Brandschutz gewähren. Der Einsatz der 42,5 cm einschaligen Ziegel erreicht somit ohne zusätzliche Wärmedämmung und Abdichtungen den BEG 40 Standard mit einem U-Wert von 0,16. Oftmals unterschätzt wird der zusätzliche Effekt der Speichermasse, die den Heizwärmebedarf des Gebäudes um ca. 15 % senkt. Der Entscheidung für den Wärmedämmziegel liegt außerdem die Berechnung des Carbon Footprint zugrunde, diese bezieht sich im Cradle-to-Cradle Ansatz auf den gesamten Lebenszyklus der Herstellung biszum Rückbau. Rückbaufreundlichkeit der Konstruktion und Recyclingfähigkeit sind entscheidende Parameter für ein in Zukunft gedachtes Urban Mining.

Als Deckenkonstruktion der beiden Baukörper schlagen wir Holz-Beton-Verbunddecken vor, die bis zu 7,50 m überspannen und Ihre Lasten auf die monolithisch tragenden Fassaden, sowie den aussteifenden Stahlbetonkern übertragen. Vorteile dieser Konstruktion sind die aus der Masse resultierenden Schallschutz und Schwingungseigenschaften bei gleichzeitiger Wahrung des Feuerwiderstands. Die Spannweiten im Inneren der Gebäude sind so angeordnet, dass es neben den massiven Stahlbetonkernen und den Fassaden keine weiteren Wände zur Ablastung der Decken erfordert und somit eine maximale Flexibilität für spätere Nutzungen gewährleistet.

Hotel

Das Tragsystem besteht aus Decken, Wänden und Stützen. Die Holz-Beton-Hybriddecken spannen quer zur Gebäudelängsachse und werden von den Flurwänden in Gebäudemitte, sowie von den Außenwänden getragen. Im Bereich der Schwankhalle soll der Neubau den Bestand ca. 17m überkragen. Hier sollen dann alle tragenden Wände als Wandartige Träger ausgebildet werden. Besonderes Augenmerk ist da auf die Außenwände zu legen, da diese direkt als Fassade mit sämtlichen Fensteröffnungen die Tragstruktur bilden. Zusammen mit den Decken, den Fensterstürzen und den Wandstücken ergibt sich ein Vierendeelträger, der über mindestens vier Etagen ausgebildet wird und die Last aus der Überkragung abträgt. Die entstehenden Zug- und Druckkräfte aus den Wandscheiben werden in die Deckenscheiben zurückverankert. Die Querkräfte sind über Stützen/ Wände bis in den Baugrund zu leiten.

Ansicht von Norden zeigt einen mehrgeschossigen Riegelbau mit grüner Lamellenfassade und geschwungenem Vordach im Erdgeschoss.
Ansicht Nord, Holsten Quartier Baufeld 10
Ansicht von Osten zeigt einen Hotelneubau mit grün gerasterter Lamellenfassade neben einem historischen Ziegelbau.
Ansicht Ost, Baufeld 10
Ansicht von Westen zeigt einen Hochpunkt mit Ziegelfassade zwischen niedrigeren Gebäuden mit Putz- und Backsteinfassaden.
Ansicht West, Holsten Quartier Baufeld 10
Ansicht von Süden zeigt einen hohen Ziegelbau neben einem niedrigeren Riegel mit Lochfassade und Dachgarten.
Ansicht Süd, Holsten Quartier Baufeld 10

Denkmalschutz

Die bestehenden Strukturen, Sudhaus, Malzsilo, Juliusturm und die Schwankhalle werden in dem Baublock integriert und aufgewertet. Zwischen Juliusturm und Schwankhalle entsteht das Hotel und begleitet die Planstraße A als nördlichen Abschluss des Baufeldes. Die eingeschossige Schwankhalle ist als Denkmal möglichst freizuhalten und in Ihrer Form zu stärken. Die dafür vorgesehene Auskragung des Hotels im städtebaulichen Masterplan nimmt keine Bezüge zur Halle auf und wird in unserem Vorschlag kritisch hinterfragt. Die Betonrippen, der offene Raum und das prägende Vordach der Halle sind Elemente die es in Vorschein zu bringen gilt. Unsere Lösung sieht eine leichte Verkürzung der maximalen Auskragung vor, um die Hauptmerkmale der Halle zu Unterstreichen, somit wird das Vordach gänzlich freigelegt und gleichzeitig die Adressbildung des Baufeldes gestärkt. Die Auskragenden Obergeschosse werden durch eine Leichtbaukonstruktion unterfangen und nimmt wie selbstverständlich die Dachform der Halle auf. Die dadurch entstehende identitätsstiftende Form des Hotelseinganges stärkt sowohl die Wirkung und Wahrnehmung der Schwankhalle als auch die Adressbildung des neuen Hotels.

Aussenperspektive eines Hotelgebäudes mit grün lamellierter Fassade über hellem Ziegelraster und gläsernem Erdgeschoss mit Kupferkesseln.
Aussenperspektive Hotel, Holsten Quartier Baufeld 10
Ein Wohnhochhaus mit Klinkerfassade und begrüntem Dachrand steht zwischen Bestandsbauten aus Backstein an einem Platz.
Außenperspektive Baufeld 10, Holsten Quartier
Fassadenschnitt eines mehrgeschossigen Wohngebäudes mit auskragenden Balkonen und Tiefgarage im Untergeschoss.
Fassadenschnitt, Holsten Quartier Baufeld 10
Fassadenansicht eines mehrgeschossigen Hotelgebäudes mit Klinkerfassade und filigranen Metalllamellen vor den Fensteröffnungen.
Fassadenansicht Hotel, Holsten Quartier Baufeld 10

Freianlagen

Der neue Quartiersplatz bildet das Entree des Hamburger Holstenquartiers und dient sowohl als Orientierungs- und Treffpunkt im urbanen Gefüge, als auch als Verbindungsraum zu den angrenzenden Stadtbereichen. Die multifunktionale Bedeutung des Platzes wird im Freiraum durch dynamisch geformte Pflanzinseln vermittelt, die den Durchgangsfluss nicht beeinträchtigen und gleichzeitig eine attraktive Platzfläche mit Aufenthaltscharakter ausbilden. Durch die gezielten Baumpflanzungen entstehen qualitative, beschattete Sitzbereiche die zum Verweilen einladen. Gleichzeitig beugen die Pflanzungen, gemeinsam mit dem Wasserspiel, dem Hitzeinseleffekt vor und wirken sich positiv auf das Kleinklima der Fläche aus. Das Fontänenfeld belebt den Platz, erlaubt bei Bedarf jedoch auch die Nutzung der Fläche für Veranstaltungen und Events.

Der Vorplatz des neuen Hotels wird durch eine Baumpflanzung sowie die barrierefreie Treppen- und Rampenanlage vom Quartiersplatz abgetrennt und erhält so einen intimeren Charakter. Auch hier vermeiden Baumpflanzungen eine zu starke Hitzewirkung der Platzfläche und dienen der Beschattung der Sitzbereiche. Zwei intensivbegrünte Dachterrassen laden sowohl die Gäste des Hotels als auch die Anwohner zum Verweilen ein. Während die östliche der beiden Terrassen den Blick über Hamburg öffnet und mit der Skybar einen Akzent für das gesamte Quartier setzt, liegt die westliche Terrasse eher versteckt und bildet so einen Rückzugsort im städtischen Kontext aus. Die restlichen Dachflächen werden mit einer extensiven Begrünung als Biodiversitätsfläche und teilweise PV-Anlagen gestaltet und nehmen so Bezug auf die Herausforderungen des Klimawandels. Die Fassenbegrünung erfolgt mit klimaangepassten Rankgehölzen wie Lonicera caprifolium und Polygonum aubertii, die außerdem als Insektennährgehölzen einen Beitrag zur Biodiversität leisten.

Schnitt zeigt ein Bestandsgebäude mit Turmhaube, einen Hochpunkt mit Dachbegrünung und einen niedrigeren Hotelbau über gemeinsamer Tiefgarage.
Zwei Gebäudeschnitte zeigen ein mehrgeschossiges Wohnhaus mit Tiefgarage und einen höheren Baukörper mit begrüntem Dach und Erdgeschosshalle.
Schnitt zeigt einen hohen Turmbau mit Treppenhaus neben einem niedrigeren Gebäuderiegel, verbunden über einen Hof mit einer holzgedeckten Halle.

Nachhaltigkeit & Energie

Die technische Aufrüstung zu „intelligenten Gebäuden“ und das Übermaß oftmals ökologisch fragwürdiger Dämmmaterialien führen nicht zu langlebigen und energetisch nachhaltigen Bauten. Eine dem Klimawandel gerecht werdende Architektur nutzt und reguliert mit typologischen, konstruktiven und thermischen Strukturen die jeweiligen klimatischen Bedingungen seiner Nutzer. Dem Nachhaltigkeitsanspruch soll mit der beschriebenen Konstruktion der expliziten Langlebigkeit einer zeitlosen, vertrauten, natürlichen und robusten Materialität begegnet werden. Hochwertig ökologisch zertifizierte und solide Materialien in einfacher mechanischer und manueller Ausführung gewähren die Nachhaltigkeit und wirken sich damit ebenfalls günstig auf die künftigen Betriebs- und Unterhaltskosten aus. Die Dachflächen werden wie nach textlicher Festsetzung des Bebauungsplanes als begrünte Flachdächer geplant und ermöglichen eine flexible Bespielung für solare Gewinne.

Die kompakte Kubatur mit einer effizienten Erschließungs- und Flächenorganisationen, eine daraus resultierende optimierte Fassadenabwicklung und klare konstruktive Trennungen lassen Neubauten großer Wirtschaftlichkeit erwarten. Zur fast vollständigen Abdeckung des Strom- und Wärmebedarfs dienen die hauseigenen Photovoltaikanlagen sowie Wärmepumpen mit Pufferspeichern in den Technikzentralen, in Verbindung mit der Wärmeversorgung über ein gebietsübergreifend geplante Nahwärmenetz.

Durch den außenliegenden Sonnenschutz, die Decken als Speichermasse und eine natürliche Nachtauskühlung ist der thermische Komfort auch im Sommer garantiert. Die Einfachheit und Klarheit der Struktur erlaubt eine Kombination von mechanischer und natürlicher Belüftung. Das übergeordnete Ziel des Energie- und Nachhaltigkeitskonzept sind hochleistungsfähige Gebäude mit maximaler natürlicher Belüftung sowie optimierten Innenkomfort und geringem Energieverbrauch.