Städtebaulicher Leitgedanke
Der Campus gliedert sich in klar unterscheidbare Funktionscluster: Sport im Süden, Wohnen und Unterkunft im Norden, verbunden durch eine gemeinsame Mitte aus Lehrsaalgebäude, Verwaltung und Mensa. Der prägnante Baumbestand wird in die Anlage integriert. Entlang der westlichen Nachbarbebauung liegt ein Funktionsband aus Nebenfunktionen, das als Lärmschutz und Abstandshalter dient und über eine zentrale Pforte kurze Wege innerhalb des Campus ermöglicht. Die Geschossigkeit staffelt sich von Norden nach Süden ab, sodass der Neubau in die Landschaft eingebunden wird statt als Fremdkörper zu wirken.
Funktionalität, Materialien und Konstruktion
Die Campusbausteine werden in einer Kombination aus traditioneller Holzbauweise, Holzbetonverbunddecken und vorgefertigten Fassadenelementen vorgeschlagen. Hochwertige, ökologisch zertifizierte Materialien in einfacher mechanischer und manueller Ausführung sollen Langlebigkeit sichern und wirken sich günstig auf künftige Betriebs- und Unterhaltskosten aus.
Lehrsaalgebäude
Das Lehrsaalgebäude bildet das Zentrum des Campus mit Lehrsälen, Gruppenarbeitsräumen und Audimax. Der langgestreckte Baukörper öffnet sich im Erdgeschoss zur Campusmitte und gibt den Blick auf Bibliothek und Audimax frei. Eine Kaskadentreppe dient als Erschliessungsraum und trennt strukturell die Unterrichtsräume von der Verwaltung. Das Primärtragwerk wird nach aussen geführt und rhythmisiert die Fassade; geschlossene Elemente sind gedämmte, hoch vorgefertigte Holzrahmenmodule, ergänzt durch geneigte PV-Elemente und Holztafeln je nach Himmelsausrichtung.
Wohnen
Sechs Wohnbaukörper bilden einen gemeinsamen Gemeinschaftsplatz und sind in den Erdgeschossen dorthin orientiert. Die tragenden Aussenwände sind in vorgefertigter Holzrahmenbauweise ausgeführt, die Decken als BSH-Decken, die Erschliessungskerne aus Stahlbeton für Aussteifung und Brandschutz. Die kompakten Baukörper erreichen mit gut gedämmter Hülle nahezu Passivhausstandard, eine hauseigene Photovoltaikanlage deckt einen Grossteil des Strombedarfs, Fussbodenheizungen sorgen mit niedrigen Vorlauftemperaturen für Behaglichkeit. Die Fassade besteht aus lasierter Vertikalholzschalung mit horizontaler Gliederung.
Mensa, Verwaltung, Sport und weitere Bausteine
Das Mensa-Casino-Gebäude öffnet sich mit Terrasse und Kolonnade zur Campusmitte, das Dachtragwerk besteht aus einem Rost aus Brettschichtholzträgern. Die Verwaltung basiert auf einem 1,25-Meter-Holzbauraster mit vorgefertigter Holzrahmenfassade aus thermisch vorbehandelter Lärchenschalung und bietet stützenfreie, flexible Räume. Die Sporthalle stapelt Hallenabteile und Mattenhallen, um den Fussabdruck zu minimieren, mit Fassade aus weissem Streckmetall. Im Bereich Raumschiessanlage und HVT kommt aus Bodenaushub gewonnener Stampflehm mit Kerndämmung zum Einsatz, der am Lebensende wieder als Ressource dient.
Freianlagen und Regenwassermanagement
Die Freianlagen folgen der Zonierung von Nord nach Süd in Wohnen, Campus und Sport mit jeweils eigener Atmosphäre: Wiesenflächen und ein Quartiersplatz im Norden, ein multikodierter Platz mit verschobenen Intarsien in der Campusmitte, dynamisch geformte, blau asphaltierte Sportflächen im Süden. Nach Osten löst sich der gestaltete Freiraum in einen naturnahen Park mit Retentionsmulden auf. Da eine Versickerung aufgrund der Bodenkennwerte nicht möglich ist, wird Regenwasser in Gräben gesammelt, in Feuchtgebiete geleitet und über ein Retentionsbecken mit Überlauf zum Kanal geführt, um es möglichst lange dem Grundstück zur Verfügung zu halten.