Städtebauliche Idee und Gesamtkonzept
Das neue Bildungs- und Freizeitzentrum bildet einen weiteren Kristallisationspunkt im stadträumlichen Gefüge von Westhagen, ausgehend vom Marktplatz als Gelenk zweier Achsen. Unter dem Motto „Kette und Schuss“ entsteht ein Gewebe differenzierter Freiräume. Die drei historischen Bauabschnitte Freizeitheim, Schulzentrum und Sporthallen werden neu interpretiert: Die Aufstockung am Markt schafft eine prägnante Adressbildung, der Rückbau der Sporthalle ermöglicht die Weiterführung der Promenade nach Osten, und eine „Schulstrasse“ verbindet in Ost-West-Richtung. Der vorhandene Ascheplatz nimmt den einzigen Neubau, den Multikomplex, auf und erlaubt so den Erhalt des Baumbestands.
Architektur und Erschliessung
Zufahrt und Haupteingang liegen zentral an der Halberstädter Strasse, ergänzt durch eine weitere Adresse zur Promenade. Der rund 220 Meter lange Baukörper wird über die neugestaltete Schulstrasse erschlossen, die durch eingeschnittene Lichthöfe belichtet wird. Fünf bestehende Treppenhäuser erschliessen die zurückspringenden Obergeschosse mit ihren wabenähnlichen, achteckigen Einheiten, in denen weiterhin die Wolfsburger Oberschule im Süden und das Albert-Schweitzer-Gymnasium im Norden untergebracht sind. Die Schulstrasse fungiert als multifunktionaler „Marktplatz“ der Schule. Öffentliche Nutzungen und Jugendzentrum liegen am Marktplatz, Mensa und Selbstlernzentrum werden über die Halberstädter Strasse erschlossen, Bürgersaal und Aula öffnen sich zur Promenade.
Bestand, Konstruktion und Material
Tragstruktur, Ausbau, Technik und Möblierung werden nach Lebensdauer getrennten Systemen zugeordnet und können flexibel auf Veränderungen reagieren. Es entsteht ein Hybridbau aus ergänzendem Holzbau und bestehender Stahlbeton-Skelettstruktur. Seriell vorgefertigte Fassadenmodule in Holzrahmenbauweise werden mitsamt Fenstern im Werk hergestellt und mit einer Länge von 2,5 Metern und einer Höhe von 3,40 Metern wirtschaftlich transportiert; der Rückbau der alten Fenster erfolgt erst danach, sodass die Gebäudehülle durchgehend geschlossen bleibt. Für die Aufstockungen wird Holzbau gewählt, was an eine ortstypische handwerkliche Tradition anknüpft.
Aufstockung am Marktplatz
Da die bestehende Tragstruktur am Markt keine Lastreserven für eine Aufstockung bietet, wird ein Fachwerkträger mit 60 Metern Spannweite und 7,50 Metern Höhe als Einfeldträger vorgeschlagen. In einem Abstand von etwa 8 Metern entsteht ein Trägerrost, der zwei Geschosse aufnimmt; die Lastübertragung erfolgt über aussenliegende Stahlbetonstützen auf Schraubfundamenten. Horizontale Deckenfachwerke zwischen den Fachwerkträgern sichern die Steifigkeit. Lignatur-Holzkastendecken bilden ein wirtschaftliches System, nehmen den Fussbodenaufbau auf und sorgen für akustische Behaglichkeit in den naturwissenschaftlichen Räumen.
Freianlagen
Das Freiraumkonzept führt die markanten Grünstrukturen und baulichen Kanten des Bestands fort. Die Wabenstruktur wird in polygonale Pflanzflächen übersetzt, wodurch ein Mäandersystem aus Platzabfolgen mit Freizeit- und Sitzangeboten entsteht. Parkartige Pausenflächen docken an die bestehende Vegetation an, die Promenade wird durch hainartige Pflanzung geprägt. Der Ascheplatz im Süden wird für Bewegung, Spiel und Fitness reaktiviert, im Osten werden Spiel- und Schulgartenflächen zu Themeninseln umgestaltet. Für die verkehrliche Erschliessung bleibt die Haupterschliessung über die Halberstädter Strasse erhalten, ergänzt durch begrünte Sammelstellplätze für Räder und barrierefreie Wege.
Ressourcen und Energie
Das Haustechnikkonzept verfolgt den Ansatz „Low-Tech vor High-Tech“ und kombiniert die Vorteile des Massivbaus im Bestand mit denen des Holzbaus im Neubauanteil. Das Gebäude soll CO2-neutral betrieben und mit regional erneuerbaren Energien versorgt werden, auf Basis kreislauffähiger Materialien. Vorgesehen sind unter anderem eine vorgefertigte Holzrahmenbaufassade zur seriellen Sanierung, sommerlicher Wärmeschutz durch Solarfassade und textile Aussenjalousien, Dachbegrünung, dezentrale Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung sowie Photovoltaik in der Fassade. Durch die optimale Ausrichtung der Photovoltaikflächen nach Süden und Südwesten produziert der Neubau mehr Strom, als er selbst benötigt.