2023 / wohnungsbau

offener zweiphasiger realiserungswettbewerb

 

Wohngalerie freimundo

Das Wohnprojekt FREIMUNDO für ca. 280 Bewohner*innen ist das vierte Realisierungsprojekt der KOOPERATIVE GROSSSTADT eG (KOOGRO), das im neu entstehenden Stadtteil München-Neufreimann errichtet werden soll.

Entsprechend den Grundsätzen der Genossenschaft ist auch dieses Projekt als ein forschendes Vorhaben angelegt. Die Programmierung des Hauses zielt darauf ab, ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Alltagsleben zu erleichtern und zu unterstützen. Die künftigen Bewohner*innen haben sich in den ersten Treffen auf den identitätsstiftenden Grundgedanken des gemeinschaftlichen und nachhaltigen Wohnens verständigt. Ähnlich wie die Diskussion über einen klimabewussten Wohnalltag das gemeinschaftliche Angebot prägt, legen wir bei der Konzeption und dem Betrieb des Hauses einen starken Fokus auf CO2-Vermeidung und Klimaanpassung.

städtebau

Für eine städtebauliche Integration schlagen wir vor, das Gebiet in drei separate Baueinheiten aufzuteilen. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen und den sich daraus ergebenden individuellen Anforderungen entstehen hierdurch drei eigenständige Akteure. Diese Akteure reagieren jeweils auf ihre spezifische Umgebung und betonen ihre Qualitäten auf individuelle Weise. Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur eine vielfältige äußere architektonische Darstellung, sondern schafft auch Raum für eine offene Betrachtung der inneren Raumkonzepte, die sich in jedem der Bausteine entfalten. Damit wird ein inklusiver Ansatz verfolgt, der sowohl die ästhetischen als auch funktionalen Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen berücksichtigt.

Freiraum

In der Grünen Mitte legen wir besonderen Wert auf das harmonische Zusammenwirken von kommunikativen Begegnungsbereichen und Erholungszonen für beide Genossenschaften. Die Erhöhung spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie nicht nur die Interaktion fördert, sondern auch das Mikroklima im Innenhof verbessert, indem sie wohltuenden Schatten spendet und somit zur Abkühlung der umliegenden Bereiche beiträgt. Als Herzstück der Grünen Mitte fungiert diese Erhöhung als Treffpunkt und verbindet die verschiedenen Nutzungen in den umliegenden Gebäuden durch geschickt angelegte Wegeführungen. In unmittelbarer Nähe erstreckt sich eine offene Platzfläche, die sowohl als Erweiterung der gemeinschaftlichen Wohngalerie dient als auch die Verbindung zwischen den drei Baublöcken herstellt. Auf diese Weise wird das Grundkonzept von innen nach außen übertragen, und es entsteht eine barrierefreie Schnittstelle für alle Nutzergruppen.

Gleichzeitig wird im Bereich der Grüngasse eine Verbindung zwischen den Blockbebauungen durch eine angrenzende Platzsituation geschaffen. Dieser Platz dient als informeller Treffpunkt, der die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Bewohnern außerhalb ihrer privaten Bereiche fördert.

Block A

Die Nord-Süd-Ausrichtung des Gebäudes ermöglicht die Einrichtung von Wohneinheiten, die von beiden Seiten Tageslicht erhalten. Ein zentraler Fokus dieses Bausteins ist das Konzept eines „atmenden Hauses“, bei der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit durch die direkte Verbindung der Gemeinschaftsräume mit den Treppenhäusern erreicht werden. Durch eine gezielte Anordnung der dienenden Räume entlang der Mittelachse werden die Wohn- und Schlafbereiche voneinander getrennt, wodurch beide Bereiche als eigenständige Zonen betrachtet werden können.

Infolgedessen entstehen im Bereich der Gemeinschaftsräume zwei Zonen: eine „Share Zone“ mit direktem Zugang zu den Treppenhäusern und eine „Schalt Zone“, die an das nach Süden ausgerichtete Balkonregal angeschlossen ist. Dies ermöglicht einen hohen Grad an Flexibilität und erlaubt es den Bewohnern, die Räume individuell an ihre wechselnden Bedürfnisse anzupassen. Darüber hinaus können durch die gegenüberliegenden Erschließungsmöglichkeiten verschiedene anregende Räume für die autarke Nachbarschaftsgemeinschaft geschaffen werden. Dies wird durch das vorgelagerte Balkonregal ermöglicht, das die Geschosse miteinander verbindet und die Kommunikation zwischen den Bewohnern innerhalb des Gebäudes förder

Block B

Baustein B, der Hochpunkt der Bebauung, ist als Wohngalerie gestaltet und teilt sich in zwei Bereiche auf. Im Westen befindet sich eine stark frequentierte Zone, die als Treffpunkt dient. Hier werden Gemeinschaftsbereiche und Erschließungswege kombiniert, um eine horizontale und vertikale Vernetzung der Räume zu ermöglichen. Dreh und Angelpunkt liegt hierbei in den Vorzonen der individuellen Wohneinheiten.

Ähnlich wie im Konzept von Baustein A werden auch die Wohneinheiten in Baustein B durch die Aufteilung der dienenden Räume in Zonen unterteilt. Dadurch wird die Vorzone neu interpretiert und als „Share Zone“ genutzt. Diese erlaubt den Bewohnern, selbstständig den Raumbedarf ihrer Wohnfläche zu steuern und gleichzeitig Flächen für gemeinschaftliche Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Die Ausrichtung der Individualräume zur Grüngasse gewährleistet dennoch die Privatsphäre.

Analog zur Wohngalerie können die privaten Bereiche sowohl horizontal als auch vertikal durch Maisonette-Einheiten erweitert oder reduziert werden, um die gewünschte Privatsphäre zu erreichen. Durch die bewusste Reduzierung der individuellen Wohnfläche haben die Bewohner die Möglichkeit, den Grad der Gemeinschaftsnutzung eigenständig zu beeinflussen, ohne dabei die Wohnqualität zu beeinträchtigen.

Block C

Baustein C spielt eine Schlüsselrolle als Verbindungsknotenpunkt. Durch seine direkte Lage an der Ringstraße, ermöglicht er die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie die quartiersweite Vernetzung über die Mobilitätsstation im Erdgeschoss. In Bezug auf die Wohnnutzung streben wir hier eine vielfältige Mischung mit Ausrichtung nach Südosten an. Im Gegensatz zur gemeinschaftlichen Konzeption der gegenüberliegenden Bausteine liegt hier der Schwerpunkt auf einem höheren Maß an Privatsphäre.

Dadurch wird Bausteinübergreifend ein vielfältiges Angebot an Wohnformen in Bezug auf Privatsphäre und Gemeinschaft geschaffen, das auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten ist. Darüber hinaus können die umliegenden Wohneinheiten von den Gemeinschaftsbereichen profitieren und diese nach Bedarf über die „Share Zone“ der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.

pfeiffer.volland.michel.architekten gmbh
Martinstraße 10-12
52062 Aachen

Dipl.-Ing. Alexander Pfeiffer Architekt BDA 
Dipl.-Ing. Felix Volland Architekt 
Benjamin Michel M.A Architekt